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Ganzkörperkältetherapie in der Kältekammer bei Fibromyalgie

Von der Fibromyalgie Betroffene machen häufig die Erfahrung, dass das therapeutische Vorgehen im Einzelfall sehr stark von der Auffassung des jeweils behandelnden Arztes über das Ursachengefüge dieser Erkrankung abhängt. Tatsächlich ist zur Entstehung der Fibromyalgie immer noch zu wenig bekannt und vorliegende pathogenetische Erklärungsversuche sind noch allzu widersprüchlich, um einheitlich und ursachenbezogen behandeln zu können. Leider führt dieser Umstand zu häufigem Arztwechsel. Und genau das ist einer erfolgreichen Therapie sehr abträglich. Hinzu kommt, dass Betroffene nicht immer überzeugt sind, einen großen Teil des erforderlichen therapeutischen Potentials in den eigenen Händen zu halten.

Für die Beurteilung der kältetherapeutischen Relevanz gehe ich davon aus, dass es sich bei der Fibromyalgie in erster Linie um eine Stress- und Schmerzverarbeitungsstörung handelt, die durch

–   einen chronischen Verlauf,

–   über den ganzen Körper verteilte Schmerzen wechselnder Intensität,

–   vielfältige, aber nicht obligatorische, vegetative, funktionelle und psychische Störungen

gekennzeichnet ist (Abbildungen 4.2 und 4.3).

Abb. 4.2 Hauptsymptome (1) und weitere Merkmale (2) der Fibromyalgie

1

Muskulo-skelettaler Schmerz
– spontan
– mindestens drei Monate anhaltend
– stammnah und periartikulär (vorwiegend Muskel- und Sehnenansätze in der Umgebung großer Gelenke)
bei herabgesetzter Schmerzschwelle

Allgemein erhöhte Druckschmerzhaftigkeit der Weichteile

2

Geminderte psychophysische Leistungsfähigkeit und schnelle Ermüdung
Schlafstörungen
Schwellungsgefühl in Weichteilen, an den Gelenken und Morgensteifigkeit
Kopfschmerzen
Depressive Verstimmungen, gelegentliche Angstzustände
Reduzierte Stresstoleranz

Eine entzündliche Genese der Fibromyalgie - auch als Fibromyalgiesyndrom bezeichnet (13) - konnte bisher nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die Entzündungsparameter sich im Normbereich befinden (75).

Die Therapie der Fibromyalgie verfolgt regelhaft einen multimodalen Ansatz, der etwa folgende Komponenten beinhaltet, die bei einer Anwendung der Ganzkörperkältetherapie nicht außer Acht gelassen werden dürfen:

–   Klärung/Therapie möglicher Ursachen im somatischen beziehungsweise psycho-sozialen Bereich,

–   physikalische Therapien,

–   moderate Aktivitätsförderung,

–   Entspannungstherapien,

–   Schmerz- und Stressbewältigungstherapien und

–   medikamentöse Therapie.

Abb. 4.3 Funktionelle / vegetative Störungen, die eine Fibromyalgie begleiten können

Herz- und Atembeschwerden
Kreislaufregulationsstörungen
Magen- und Darmbeschwerden

Störungen der Blasenfunktion
Mund- und Augentrockenheit
Globusgefühl

Schwindel
Neigung zu starkem Schwitzen
Zittern
Missempfindungen
Kälteempfindlichkeit der Finger
Menstruationsstörungen

Wärme- beziehungsweise Kälteanwendungen werden von den Betroffenen hinsichtlich Verträglichkeit und Therapieerfolg unterschiedlich beurteilt (37). Die Ganzkörperkältetherapie wird seit geraumer Zeit in der Behandlung der Fibromyalgie mit Erfolg angewendet. Sie sollte nur dann zur Anwendung kommen, wenn sie akzeptiert werden kann und die allgemeine Befindlichkeit darunter nicht leidet. Allerdings gibt es gegenüber der therapeutischen Kälte nicht selten subjektiv gefärbte Vorurteile, die durch vorausgegangene Wärmeanwendungen erklärbar sind. Nach einer ,,Probe“ wird dann aber oft gewechselt. Objektiv begründet ist dieser Wechsel in der eindeutigen Überlegenheit der Ganzkörperkältetherapie gegenüber Wärmeapplikationen bezüglich des Hauptsymptoms der Fibromyalgie, der chronischen Schmerzen, wie dolorimetrische Messungen bestätigen (37, 66, 67).

In der Abbildung 4.5 sind diejenigen Symptome und organischen Ursachen der Fibromyalgie dargestellt, die durch die Ganzkörperkältetherapie positiv beeinflusst werden können.

Abb. 4.5 Angriffspunkte der Ganzkörperkältetherapie bei der Fibromyalgie

Schmerzen, Schmerzgedächtnis, gestörte Muskelspannung, muskuläre Ermüdungstendenz, Schlafstörungen, Depression, zentrales Aktivitätsniveau, orthostatische Regulationsstörung, Fibromyalgie, Ganzkörperkältetherapie

Im Vordergrund stehen naturgemäß die oft sehr heftigen Weichteilschmerzen und die erhöhte Ermüdungstendenz der Muskulatur. Beweglichkeitsbeschränkungen der Gelenke sind die Folge. Mit etwa zwanzig bis dreißig Kälteexpositionen sind bei diesen Symptomen deutliche Besserungen zu erreichen. Die Erfolgsquote liegt bei graduellen Unterschieden zwischen 40 und 80%. Hinsichtlich eines möglicherweise ausgebildeten Schmerzgedächtnisses und seiner Therapierbarkeit sei auf die Abschnitte 3.2 und 4.4 des Buches hingewiesen. Im Interesse eines nachhaltigen Therapieerfolgs sollte, wenn irgend möglich, die Ganzkörperkältetherapie mit aktivierenden Behandlungen verbunden werden. Zweckmäßig sind gymnastische Übungen im Zeitraum von ein bis drei Stunden nach der Kälteeinwirkung, in denen die Belastung nur langsam gesteigert wird und die zu keiner Schmerzzunahme führen. Anspannungen und Dehnungen der Muskulatur sollen nicht zu lange angehalten werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Schmerzen und Verspannungen die Muskelgruppen in unterschiedlichem Maße betreffen können. Schonhaltungen dieser und Überbeanspruchung anderer Muskelgruppen sind dann oft die Folge. Die Gymnastik soll hier ausgleichend wirken. Eine moderat gesteuerte Ausdauerbelastung kann das bewegungstherapeutische Programm ergänzen. Wichtig ist es, das eigene Maß zu finden, keine ,,Spitzenleistungen“ anzustreben, Ermüdung zu respektieren, schmerzfreie Leistungssteigerungen zu registrieren und freudig zu begrüßen.

Wie wir gesehen haben, kann die Ganzkörperkältetherapie uns helfen, das gestörte zentrale Aktivitätsniveau zu regulieren (Abschnitt 3.9 im Buch). Dieser Effekt wirkt sich positiv auf die oft die Erkrankung begleitenden Schlafstörungen und auf die gelegentlich zu beobachtenden depressiven Verstimmungen aus. Beide, sowohl die Schlafstörungen als auch die depressiven Verstimmungen, haben häufig ihre Ursache in den chronischen Schmerzen. Die Minderung – respektive Beseitigung – der Schmerzen und die zentral ausgleichende Wirkung der Kälte führen nicht selten schon nach einigen Behandlungstagen zu erholsamerem Schlaf. Bewährt hat sich die Kombination der Ganzkörperkältetherapie mit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson, da mit ihrer Hilfe und in Wechselwirkung mit dem durch sie erreichbaren seelischen Ausgleich Spannungs- und Entspannungszustände der Muskulatur wahrgenommen beziehungsweise erlernt werden können.

Die Ganzkörperkälte wirkt durch ihren starken Reiz regulierend auf den Spannungszustand der Blutgefäße im Kapillargebiet der Haut und trägt in Verbindung mit einer der Belastungsfähigkeit angepassten sportlichen Betätigung zur Einschränkung orthostatischer Regulationsstörungen (siehe auch Abschnitt Primäre hypotone Kreislaufregulationsstörungen) und zur Befindlichkeitsbesserung bei.

Es ist auch anzunehmen, dass die beschriebene gesteigerte Muskeldurchblutung nach Ganzkörperkälteeinwirkung (Abschnitt 3.4 im Buch) zur Stoffwechselregulation in der Muskulatur und damit zur Minderung der Beschwerden beiträgt.

Auf mögliche organische Ursachen der Fibromyalgie – wie Wirbelsäulensyndrome und immunvermittelte Krankheiten (sekundäre Fibromyalgie)– wird hier nicht gesondert eingegangen, da die Kältebehandlung dieser Erkrankungen in den vorherigen Abschnitten ausführlich erörtert wird.

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Seiten des Bundesverband DEUTSCHE FIBROMYALGIE VEREINIGUNG (DFV) e.V.

Für hilfreiche weiterführende Informationen zur Ganzkörperkältetherapie bei −110 °C und den Wirkungsmechanismen empfehlen wir das Buch "Die Kraft aus der Kälte" von Prof. Dr. sc. med. Winfried Papenfuß, erschienen bei der Edition K, Wolfsegg. Daraus wurden auch weite Teile des Inhalts dieses Internetauftritts entnommen.

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